Die Frage nach der Geschichte des Hauses
„Könnt ihr uns eigentlich mehr über die Geschichte des Hauses erzählen?“
Diese Frage hören wir im Hotel Anna 1908 immer wieder von unseren Gästen – und mussten selbst lange mit den Schultern zucken. Also haben wir angefangen zu recherchieren. Dabei sind wir auf eine echte Schatztruhe gestoßen: die Seite friedenau-aktuell.de. Besonders danken möchten wir Herrn Hahn und Herrn Stich, die dort mit großem Engagement Berliner Geschichte greifbar machen. Dank ihrer Arbeit kennen wir nun endlich die bewegte Vergangenheit unseres Hauses – und freuen uns, sie mit euch zu teilen.
Von Pferdefutter zur Pension: Die Anfänge um 1908
An der Ecke Bornstraße und Büsingstraße steht heute unser charmantes Hotel Anna 1908 – benannt nach dem Baujahr und inspiriert von einer Frau, die hier einst Geschichte schrieb: Anna Worm, geborene Weber. Zusammen mit ihrem Mann Paul Worm betrieb sie bis 1906 die Furagehandlung F.E. Liefeldt Nachfl. in der Steglitzer Schloßstraße 111 – ein florierendes Geschäft mit Pferdefutter, bis der Bedarf an Heu und Hafer langsam verschwand.
Mit Weitsicht investierten die Worms 1908 in ein neues Projekt: Sie kauften das Grundstück Bornstraße 5 und 6 / Ecke Büsingstraße 1. Dort entstand ein stattliches fünfgeschossiges Mietswohnhaus mit Kellergeschoss und Restaurant im Erdgeschoss, das bereits in den Bauplänen vom August 1908 vorgesehen war. Drei Gasträume – eine frühe Mischung aus Gastlichkeit und Wohnkultur – prägten von Anfang an das Erdgeschoss.
Der Restaurantbetrieb war über viele Jahrzehnte Herzstück des Hauses – jedoch mit ständig wechselnden Pächtern: Von O. Kaltes (1909) über O. Katz (1931) und F. Lehmann (1933) bis hin zu E. Faerber im Jahr 1943.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg traf eine Bombe das Haus schwer: Dachgeschoss und dritter Stock wurden 1943 zerstört. Der Wiederaufbau zog sich, doch der Gastbetrieb wurde offenbar schnell wieder aufgenommen. Die Fotos dieses Beitrags stammen von Herwarth Staudt aus dem Jahr 1951 und zeigen die Ruine – aber auch ein wieder geöffnetes Restaurant (das „Blumen-Eck“) mit überdachter Terrasse zur Büsingstraße. Es war ein Bild zwischen Verlust und Aufbruch.
Der lange Atem der Geschichte
Was danach geschah, liegt im Dunkeln. Jahrzehntelang blieb das Haus stiller Zeitzeuge – bis es schließlich in den letzten Jahren aufwendig restauriert wurde. Mit viel Liebe zum Detail wurde die alte Fassade erhalten, die historische Substanz geschützt und zugleich modernes Leben eingezogen.
Heute: Anna 1908
Heute beherbergt das Gebäude unser stilvolles Hotel Anna 1908 (Ecke Büsingstraße 1). Das Hotel versteht sich als eine Hommage an Berliner Geschichte, an die Zeit um 1900 – und an die Menschen, die damals mit Tatkraft und Unternehmergeist neue Wege gingen. Die Gründerzeit lebt hier weiter: in hohen Decken, restaurierten Originalelementen, und einer Atmosphäre, die sowohl altberlinerisch als auch international wirkt.
Ein Ort mit Seele
Was das Anna 1908 auszeichnet, ist nicht nur die Geschichte, sondern auch die besondere Lage: ruhig, grün, dabei bestens angebunden an Berlins Zentrum. Gäste übernachten nicht in einem x-beliebigen Hotel, sondern in einem lebendigen Stück Berliner Architektur- und Stadtgeschichte – geprägt von Krieg und Wiederaufbau, Wandel und Kontinuität.

